Unordnung ist das halbe Leben

Bei den Spaziergängen mit unseren beiden Damen lasse ich es mir nicht entgehen, mir die Vorgärten und Gärten anzuschauen, an denen wir vorbei kommen. Immer auf der Suche nach neuen Ideen und Pflanzen, die auch in meinen Garten passen. Ab und an finde ich unterwegs tatsächlich noch Pflanzen, die ich mir später genauer anschaue. Ausschau halte ich vor allem nach solchen, die nicht in jedem Garten stehen. In unserer Siedlung finden sich vor allem Funkien und Hortensien. Zugegeben, das liegt daran, dass unsere Vorgärten nicht so viel Sonne sehen, dass Sonnenanbeter darin glücklich werden. Die Auswahl an schattenverträglichen Pflanzen ist groß genug, um auch diesen Teil des Gartens ein wenig zum Blühen zu bringen.

Interessant finde ich nicht nur die Auswahl in den anderen Gärten, sondern auch die Ordnung bei der Gestaltung und Pflege. Kein heruntergefallenes Blatt liegt länger als zwei Stunden auf dem Boden und Beikräuter haben keine Chance. Die Visitenkarte des Hauses sieht aus wie geleckt. Nicht alle Vorgärten blinken und blitzen. Manch einer sticht hervor. Nicht unbedingt positiv würde der eine oder andere sagen. Einer dieser hervorstechenden Gärten und Vorgärten ist der meinige.

Nicht etwa, weil ich faul bin. Ich gebe der Natur nur das zurück, was sie gibt. Und zwar in Form von Mulch. Im Herbst verbleibt das gefallene Laub an Ort und Stelle und der Rasenschnitt landet hinten im Garten in den Beeten.

Im Gegensatz zu einigen meiner Nachbarn bin ich nicht permanent damit beschäftigt, den Beikräutern zu Leibe zu rücken und Dünger anzukarren. Das Laub hält das „Unkraut“ in Schach und der Rasenschnitt sorgt für Nährstoffe. Außerdem brauche ich nicht ganz so häufig wässern, wie es in offenen Gärten der Fall ist. Die Feuchtigkeit hält sich viel besser im Boden.

Das Mulchen ist aber auch eine Sache des Gefallens. Hobbygärtner, die verliebt in die Ordnung sind, können mit Laub und Rasenschnitt nicht viel anfangen. Dekorativ ist anders. Ganz ehrlich, mir ist ein gesunder Garten deutlich lieber. Außerdem gewöhnt man sich auch an den Anblick. Sogar mein Mann kann sich inzwischen damit anfreunden.

Zumal auch er bemerkt hat, wie lebendig der Garten dadurch geworden ist. Inzwischen gehören nicht nur die Meisen und Amseln sowie mein Rotkehlchen zu unseren Stammgästen. Ab und an kommt ein Dompfaff vorbei, der Zaunkönig favorisiert den Vorgarten, die Buchfinken sind immer auf der Suche nach Futter und noch einige andere, die regelmäßig nach dem Rechten schauen. Die Papageien sind auch immer mit von der Partie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nicht zu vergessen: das Eichhörnchen. Im Frühjahr und Herbst huscht es täglich durch unsere Zierkirsche im Vorgarten oder tobt durch den Garten – entweder um die Beute zu verstecken oder zu suchen; je nach Jahreszeit. Wobei sich das Eichhörnchen bei der Suche ein wenig dämlich anstellt. Den Großteil der Walnüsse finde ich… Die soll man ja dort belassen, wo sie aufgefunden wurden. Würde ich ja gerne. Aber die haben schon das Keimen angefangen. Und Platz für zumindest einen Walnussbaum habe ich beim besten Willen nicht.

Wie kann ich bei so viel Leben das „Chaos“ beseitigen? Das würde ich nicht über das Herz bringen. Schließlich profitiere ja auch ich davon. Denn nach und nach werden die Tiere sogar immer zutraulicher. Das Eichhörnchen sitzt manchmal in meiner direkten Nähe, wenn ich im Garten zugange bin. Die Amseln präsentieren mir stolz ihren Nachwuchs und das Rotkehlchen nutzt die Gunst der Stunde, wenn ich ab und an am Jäten bin, und sucht sich die schönsten Regenwürmer aus.

Unordnung ist das halbe Leben – für den einen mehr, für den anderen weniger. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.