Lieber Teddybär statt Lebewesen?

Eigentlich passt dieses Thema nicht hier her und ich habe einige Tage überlegt, ob ich etwas dazu schreibe. Wie ihr seht, habe ich mich dazu entschlossen, den einen oder anderen Satz von mir zu geben, da mir das Thema Kastration am Hund schon eine ganze Weile quer im Magen liegt. Und zwar richtig quer. So quer, dass es mir egal ist, wenn ich mich unbeliebt mache und dem einen oder anderen richtig auf die Füße latsche.

Grund dafür sind manche Hundebesitzer, die mir mehr oder weniger täglich bei meinen Gängen mit den Damen über den Weg laufen. Ihr kennt das sicher auch: Ab und an bleibt man stehen und tauscht sich aus. Geht mir nicht anders. Zwischendurch kann es passieren, dass der einzelne Herr eine Vermisstenanzeige aufgibt, weil ich erst Stunden später wieder auftauche.

In den letzten Tagen wurde mir des Öfteren, mit leuchtenden Augen, berichtet, dass ihr Bello nun endlich kastriert wird – Bello steht in diesem Fall übrigens für Rüden UND Hündinnen.

Natürlich bin ich daran interessiert, aus welchem Grund Bello denn unters Messer soll. Nun, unter anderem sind es die Hormone, die dem besten Freund zu schaffen machen. Er frisst schlecht, während draußen heiße Damen rum rennen. Es ist nun einmal auch lästig dem männlichen Bello hinterher zu laufen, während er versucht ein apartes weibliches Gegenstück ausfindig zu machen – schließlich hat er ja einen süßen Duft in der Nase. Nebenbei: Das Gelände ist ein Landschaftschutzgebiet – es herrscht Leinenzwang… Aber das ist ein ganz anderes Thema, über das ich vielleicht irgendwann auch mal berichten werde, wenn ich die Faust wieder aus der Tasche bekomme…

Zurück zu den ganzen männlichen Bellos, die nicht fressen mögen (wenn ein Duft in der Luft liegt), weiblichen Bellos nachstellen und dem nachgehen möchten, was in ihren Genen verankert ist: die Vermehrung und somit die Erhaltung der Art. So als (werdender) Hundebesitzer mache ich mir doch schon im Vorfeld ein paar Gedanken darüber, was auf mich zukommt, wenn der männliche Bello bei mir einzieht. Oder nicht? Manchmal denke ich: oder nicht. Die Besitzer sind entsetzt darüber, dass IHR Bello, also ihr Gefährte, ihr bester Freund, nun kein Mensch, sondern ein Hund ist. Wer hätte das gedacht?

Aber auch der weibliche Bello muss damit leben, dass sie, ohne Rücksprache übrigens, zukünftig ein Dasein ohne Geschlechtsorgane fristen darf. Auch hier gibt es Aussagen, die mir die Röte ins Gesicht treiben. Mein Bello soll nicht scheinträchtig werden, dann ist sie immer so komisch. Ach was, echt jetzt? Außerdem stört es mich ganz ungemein, wenn sie zwei Mal (!) im Jahr läufig ist. Auch in dem Fall frage ich mich, ob sich Herrchen oder Frauchen im Vorfeld Gedanken gemacht haben.

Warum schaffen sich Menschen eigentlich einen Bello an? Das eine Frauchen möchte einen Partner- oder Kinderersatz, das andere Herrchen möchte einen Kumpel, ein anderer Hundebesitzer möchte einen Gefährten und den besten Freund. Einen BESTEN FREUND!

Nun stellt euch bitte folgende Szenarien vor:

  • Der Ehemann schaut jedem Rock hinterher. Wird er deswegen zum Chirurgen geschleppt und war den letzten Tag seines Lebens ein ganzer Kerl?
  • Die Tochter kommt in die Pubertät und bringt den einen oder anderen Freund mit nach Hause. Natürlich ist der Richtige nicht dabei. Ist in dem Fall eine Hysterektomie sinnvoll? Schließlich möchte man ja, dass das Kind das Abitur macht, ein Studium abschließt – eine ungewollte Schwangerschaft kann so für immer und ewig ausgeschlossen werden.
  • Plant doch einfach mal einen Ausflug mit der besten Freundin. Und zwar zum Frauenarzt. Eröffnet ihr, dass ihr die Launen nicht mehr ertragt, wenn sie mal wieder ihre Tage hat. Damit sie wieder umgänglich ist, habt ihr direkt einen Termin vereinbart. Ist doch toll und umsichtig!
  • Mann möchte nicht mit seiner blutenden Frau verkehren (und keinesfalls den einen oder anderen Tag darauf verzichten) – immerhin passiert das deutlich häufiger, als bei einem Hund. Raus mit der Gebärmutter, dann ist alles hübsch sauber!

Und nun frage ich: Wo bleibt da eigentlich die Liebe zum Tier? Der Respekt, den wir jedem Lebewesen zu zollen haben? Diejenigen, die sich einen Hund so erschaffen wollen, wir sie ihn sich wünschen, sind meiner Meinung nach besser mit einem Stofftier bedient. Die Firma Steiff hat übrigens eine tolle Palette an Kuscheltieren. Auf den ersten Blick erscheinen die teuer. Aber rechnet selbst nach … ein Hund wird mehrere Jahre alt und folgende Kosten kommen in der Regel auf den Halter zu: Anschaffung des Hundes, Hundesteuer, Halsband, Leine, Näpfe, Körbe, Decken, Futter, Tierarztkosten, Hundeversicherung und und und. Das selbstredend über einen längeren Zeitraum. Das können auch schon mal 20 Jahre werden. Da kommen wahrlich Kosten zusammen. Na, so ein Steiff-Tier lohnt sich dann doch, oder?

Es geht mir natürlich nicht um medizinisch notwendige Kastrationen. Das dürfte jedem an dieser Stelle klar sein. Apropos medizinischer Aspekt. Den schieben so manche gerne als Argument vor. Gerne werden die Messer gewetzt, weil die eine oder andere Erkrankung Dank der Kastration nicht eintreten wird. Gott sei Dank gibt es inzwischen andere Stimmen, die leider nicht laut genug sind. Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr hierzu einen weiterführenden Artikel lesen, der es wahrlich wert ist! Ein Tierarzt hat das Wort: http://www.westieforum.de/article-1.html.

Etwas möchte ich noch am Ende sagen: Unsere Hunde lieben uns so, wie wir sind. Sie nehmen uns bedingungslos und ehrlich an. Sie sind immer für uns da, sie stehen uns immer zur Seite.

Wie steht ihr zum Thema Kastration? Ist euer bester Freund kastriert? Wenn ja, aus welchem Grund?

Kommentare

2 Kommentare zu ‘Lieber Teddybär statt Lebewesen?

  1. Ein strittiges Thema liebe Carola, da kommt man schon ins Grübeln. Und auch ich wurde schon oft gefragt, ob unser Hund denn kastriert sei. Nein! So was kam für mich nie in Frage. Auch wenn er ein oder zwei Mal im Jahr schlechte Tage hat, nur winselt und „Huhuuu“ macht, immer nur raus will und dann mit straffer Leine durch die Gegend düst auf der Suche nach der gut duftenden Hundedame – er bleibt ein ganzer Kerl. Es gibt aber auch ganz schlimme Fälle, wo man dem Tier echt helfen muss. Ich kenne einen Hund, der bekommt Hormone, weil er echt ganz doll leidet.
    Und wer sich eine Hündin anschafft, der weiß doch vorneweg, dass sie auch irgendwann mal läufig wird. Da muss man schon vorher wissen, ob Rüde mit „Huhuuu“ oder Hündin :-)
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Oh ja, dieses Thema ist nicht einfach… Aus medizinischer Sicht spricht auch überhaupt nichts gegen eine Kastration, keine Frage. Eben nur nicht, weil der Hund nicht „perfekt“ ist.
      Vor allem muss man sich vorher darüber schlau machen, was eigentlich für Krankheiten aufgrund der Kastration entstehen können, das ist auch nicht ohne.
      Leider scheinen viele Hundebesitzer zwar zu wissen, dass die Hündin läufig wird und der Rüde halt mal hormongesteuert durch die Gegend tigert. Aber eben das, was vollkommen natürlich ist, ist für eine recht große Anzahl von Hundehaltern eben lästig.
      Schön, dass Johnny ein ganzer Hund ist :-)
      Liebe Freitagsgrüße, Carola

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