Ewa Aukett - Stunde der Drachen

Ausgetauscht mit Ewa Aukett – eine Autorin mit Herz und Leidenschaft

Ein spannender und lustiger Plausch zugleich mit Ewa Aukett, einer Schriftstellerin, die mit viel Gefühl und einer Prise Humor ihre Protagonisten auf die Reise schickt. Ich freue mich wahnsinnig, dass Ewa sich die Zeit genommen hat, meine Neugierde zu stillen.

Womit beginnt für dich der perfekte Morgen? Oder sprechen wir – klischeebehaftet – eher von der Mittagszeit? Oder gehörst du nicht zu den Autorinnen, die die Nacht zum Tag machen?
Tatsächlich beginnt mein Morgen nur wenig später, als bei „normal arbeitenden“ Menschen ;)

Dafür sorgt nämlich schon mein Kater Frido, der spätestens um halb acht mit den Vorderpfoten auf dem Kopfkissen steht und mir im höchsten Sopran und mit voller Lautstärke ins Ohr heult.

Stunde der DrachenPerfekt wäre der Morgen, wenn ich sanft geweckt würde und Frühstück ans Bett gebracht bekomme – natürlich sehe ich um die Zeit traumhaft aus und meine Haare liegen perfekt *lach* Du merkst schon, die Szene entspringt nicht der Realität :P :D

Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?
Ich schätze, Du willst nicht die Kurzfassung sondern die dreckigen Details … sollst Du haben ;)

Nachdem Frido mich unsanft aus dem Schlaf gerissen hat, schicke ich erstmal ihn und die Hunde in den Garten, danach schlurfe ich ins Bad, um mich einigermaßen vorzeigbar zu machen. Im Anschluss kümmere ich mich als erstes natürlich um das Frühstück meiner zehn behaarten Babys ;) und ja, entgegen mancher Weisheiten mancher Tiertrainer, bekommt bei mir immer erst mein Viehzeug was zu essen, ehe ich mich selbst versorge.

Die dreckigen Details beginnen mit der Säuberung der Katzenklos *grins* Nachdem das erledigt ist, gönne ich mir eine Pause, meine morgendliche Tasse Tee (im Fall komatöser Nachwehen der Nacht gibt’s auch Kaffee) und ein Frühstück. Im Anschluss laufe ich mit den Hunden.

Danach erledige ich Besorgungen, diverse Termine (die ich gern morgens anvisiere), den Haushalt und kümmere mich um meinen Bürokram. Spätestens ab Mittag versuche ich mir endlich die Zeit freizuschaufeln, um mit meiner Arbeit zu beginnen.

Wenn es gut läuft, dann sitze ich die nächsten Stunden an meinem Schreibtisch oder vor dem Laptop und habe einen echten Lauf, der erst unterbrochen wird, wenn um halb sieben mein Wecker klingelt und meine Meute ihr Abendessen verlangt. Wenn’s schlecht läuft, bin ich froh, wenn ich überhaupt was geschafft bekomme ;)

Nachdem die Vier- und Zweibeiner versorgt sind und meine Hunde ihren Abendspaziergang hinter sich haben, gönne ich mir normalerweise wenigstens einen kleinen Moment vor dem Fernseher, um mich selbst auf den neuesten Stand zu bringen, was in der Welt vor sich geht. Danach geht’s weiter mit dem Schreiben und im besten Fall höre ich erst mitten in der Nacht oder gegen drei Uhr morgens auf, wenn mir wirklich schon fast die Augen zufallen :)

Was darf auf deinem Schreibtisch keinesfalls fehlen?
Tasse Tee, Flasche Wasser, MP3-Player und Handcreme. Manchmal brauch ich natürlich auch noch Süßkram oder was zum Knabbern, aber das kommt auf die eigene Tagesform an.

Deine erste Geschichte … wann hast du sie geschrieben?
Du meinst jetzt nicht mein erstes veröffentlichtes Buch, sondern wirklich die allererste Geschichte, die ich jemals geschrieben habe, nehme ich an :)

Puh, die Antwort ist schwierig. Das ist wirklich SEHR lang her … ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, weiß aber, dass ich noch zur Schule gegangen bin. Wir müssen ungefähr … lass mich überlegen … fünfzehn gewesen sein, ja, das könnte hinkommen. Kopfrechnen war leider noch nie so meine Stärke … das war also etwa 1989/90.

Magst du in vier Sätzen die Handlung umschreiben?
Es ist eine Liebesgeschichte.
Es geht um einen Anwalt und eine junge Studentin.
Es ist ein bisschen traurig, romantisch, erotisch und ein wenig albern (ich mein, ich war 15!!!)
Es gibt ein Happyend :D

Wann kam für dich die Wende – wann hast du angefangen, dein Hobby zum Beruf zu machen?
2013, als ich noch hauptberuflich als Sachbearbeiterin in Köln gearbeitet habe, hatte ich mich eher aus einer Laune heraus bei BookRix registriert. Ich hatte mein erstes Buch hochgeladen und es war überraschenderweise ganz gut angekommen – so gut, dass ich mich motiviert fühlte, wieder mehr zu schreiben und auch neue Geschichten zu liefern. BookRix hat mich dabei wirklich sehr unterstützt.

2014 kam dann ein kleines Tief – ich war arbeitslos, es lief auch nicht besonders gut mit den Bewerbungen … mal war ich überqualifiziert, dann war ich ungeeignet, zu alt, zu dick, zu was auch immer. Mir drohte Hartz IV und da ich ein halbes Haus zu bezahlen habe und meine Schulden entsprechend hoch sind, hatte ich natürlich große Sorge, wie ich all das dann noch stemmen sollte.

Mein sich erfüllender Hoffnungsschimmer war, dass meine Tantiemen stiegen und ich die Chance sah, eine Entscheidung zu treffen. Ich hatte Bedenken, mich selbstständig zu machen, das ist ein Schritt, der wirklich nicht einfach ist … doch die Alternative war die Abhängigkeit vom Sozialsystem und das wollte ich auch nicht.

Atem auf deiner HautAlso habe ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt – gut, ich sitze immer noch im gleichen alten Haus und fahre einen alten, rostigen Kombi. Es ist nicht immer einfach ;) trotzdem möchte ich die Zeit nicht zurückdrehen, denn ich liebe, was ich tue.

Hast du Vorbilder? Welches Genre spricht dich am meisten an?
Vorbilder … ich weiß nicht … literarische Idole gibt es sicher viele, ich bewundere viele Künstler, Autoren, Sänger.

Ein Vorbild ist doch eher jemand, dem man nacheifert und dessen gute Eigenschaften man – im besten Fall – zu übernehmen versucht. Für mich ist dieses Vorbild dann wohl meine Mama, denn die ist immer eine taffe Frau gewesen und sie hat mich eines im Leben gelehrt: „Es ist nie angebracht andere anzugreifen, aber immer erlaubt sich zur Wehr zu setzen. Zu helfen wo man kann, ist keine Schwäche sondern Stärken und egal, wie oft man auf die Fresse fliegt, man steht immer wieder auf und kämpft weiter!“

Bei Genres bin ich nicht wirklich festgelegt, ich mag Liebesromane genauso wie Komödien, Jugendbücher ebenso wie Fantasygeschichten. Ich mag Thriller, Action, Abenteuer, manchmal auch einen guten Krimi. Mein Geschmack in Sachen Literatur, Filme und Musik ist wild gemischt :)

Wer ist dein Lieblingsschriftsteller beziehungsweise deine Lieblingsschriftstellerin?
Einer allein macht da nicht das Rennen :) Ich bin definitiv ein großer Bewunderer von Stephen King und Wolfgang Hohlbein, weil beide eine – für mich – unnachahmliche Art haben, mich in ihre Geschichten hinein zu saugen.

Auch Kerstin Gier mag ich sehr gern, weil sie es großartig versteht, eine schöne Liebesgeschichte mit einer komischen Erzählung zu verbinden. J.K. Rowling ist toll. Sie hat nicht nur ein ganzes Universum geschaffen, sondern auch für sich selbst ein Wunder vollbracht.

Welche drei Bücher haben dein Leben beeinflusst?
Friedhof der Kuscheltiere – Stephen King
Märchenmond – Wolfgang Hohlbein
Die Müttermafia – Kerstin Gier

An welchem Ort, in welchen Momenten bekommst du die besten Ideen für deine Geschichten?
Definitiv nicht auf dem Klo :) Ich weiß nicht, meistens ist das eher ortsunabhängig – ich suche immer noch nach meiner Oase der Muse ;) Was mir oft passiert, ist, dass mir Ideen vorm Fernseher kommen. Ein Film oder eine Werbung können mit einem kurzen Augenblick durchaus dafür sorgen, dass in meinem Kopf eine ganze Szene weitergesponnen wird. Auch Gespräche mit anderen Menschen oder ein gemütlicher Abend mit Freunden, bei dem man plaudert – sorgen gern und oft dafür, dass aus der Situation heraus Ideen entstehen.

Hast du den berühmten Notizblock stets zur Hand, um spontane Ideen direkt zu notieren?
Manchmal ist es tatsächlich noch der Notizblock. Die meiste Zeit sammel ich die Ideen aber mittlerweile in meinem Handy. Tolle Memofunktion. Wenn das Ding aber mal den Geist aufgibt, werde ich vermutlich einen Nervenzusammenbruch bekommen ;)

Wer darf dir sagen, dass es besser wäre, die gerade geschriebenen Seiten nochmals zu überdenken?
Meine Testleser natürlich, meine Lektorin, eben alle, die beim Schaffensprozess dabei sind. Allerdings muss ich dazu sagen, dass sie meine Geschichten erst bekommen, wenn sie vollständig sind. Ich hatte den Versuch kapitelweise ein Buch an jemanden zum Lektorieren zu geben – das war für mich keine gute Idee und hat mich nicht nur völlig aus dem Konzept gebracht, ich war danach auch total blockiert und es hat eine Ewigkeit gedauert, bis ich mich wieder einigermaßen gefangen habe.

Wenn ich die komplette Geschichte vom Lektorat zurückbekomme und genau diese Anmerkung darin ist, dass ich meine Seiten nochmal überdenken sollte, dann muss ich eben auch nochmal komplett durch die ganze Story gehen.

Wenn du eine Geschichte beginnst … kennst du dann bereits die komplette Story und den Schluss oder entwickeln sich viele Höhepunkte und Ereignisse etc. während des Schreibens?
Früher habe ich einfach nur drauflos geschrieben und irgendwann meine Richtung verloren. Heute plane ich viel mehr. Ich suche mir einen roten Faden und notiere meine grobe Story, aber im Großen und Ganzen bin ich immer noch jemand, der mehr drauflos schreibt und aus dem Bauch heraus während des Prozesses entscheidet. Verliert man jedoch dann die Richtung, hat man den roten Faden, um sich wieder selbst auf den richtigen Weg zu bringen.

Ich habe also einen groben Überblick über die Story, aber viele Höhepunkte und Ereignisse entwickeln sich tatsächlich erst während des Schreibens. Der Schluss ist für mich immer offen. Ich arbeite zwar stets auf ein Happyend hin, aber ich kann nicht zu 100 % versprechen, dass genau das auch IMMER eintreffen wird.
Es wird irgendwann auch von mir eine Geschichte geben, die dem wahren Leben näher ist und meinen Lesern kein gutes Ende schenken wird – ich hoffe, sie werden es mir verzeihen.

Woran arbeitest du momentan?
Im Augenblick sitze ich – ziemlich fieberhaft – an einem Liebesroman. Es wird ein Wiedersehen mit ein paar Nebenfiguren aus „Atem auf deiner Haut“ geben … ich glaube, man kann es weder als Nachfolgeband oder zweiten Band bezeichnen, aber es gehört zur gleichen Reihe. Es ist eine eigenständige Geschichte und ich hoffe, sie wird gefallen.

Wann dürfen wir uns in etwa über ein neues Buch von dir freuen?
Nach einer etwas ungeplanten Kurzgeschichte im Oktober, denke ich, dass es jetzt im November soweit sein wird.

Ist neben dem Schreiben noch Platz und Zeit für Hobbies?
Zurzeit ist es eher schwierig, da ich gerade im Vollarbeitsmodus stecke ;)

Normalerweise gehe ich gern ins Kino, im Augenblick ein Unding und da das nächste gute Kino ein ganzes Stück entfernt ist, auch immer mit einer kleinen Reise verbunden. Freunde treffen, gemeinsame Zeit verbringen ist in der Phase auch sehr schwierig. Jede Minute, in der ich nicht an meinem Buch sitze, lässt mich nervös werden – drum bin ich froh, wenn man mir die Zeit einfach einräumt, ich meine Arbeit zu Ende bringen kann und man anschließend den Abschluss gemeinsam feiert :)

Welche Hobbies bereichern dein Leben?
Ich fotografiere und male sehr gern, schaffe es aber auch da im Moment nicht, mir ein wenig Zeit freizuschaufeln. Ich bin allerdings guter Dinge, dass auch die Zeit wiederkommen wird. Backen und Kochen ist eigentlich auch noch eine Leidenschaft, aber die ist fürs Erste völlig aus der Planung. Vielleicht später mal, wenn ich meinen Traum vom Häuschen im Wald oder an der Ostsee erfüllt habe ;)

Wie immer zum Schluss die berühmte Frage nach der Insel und den drei Gegenständen. Welche drei Gegenstände würden dich auf die einsame Insel begleiten? Was muss definitiv mit?
Muah, Worst Case ;)

Nachdem ich in Schottland war und ganz fürchterlich mit Heimweh zu kämpfen hatte – obwohl dieses Land für mich definitiv ein Grund wäre auszuwandern -, will ich mir einen Aufenthalt auf einer einsamen Insel eigentlich nicht mal vorstellen ;)

Da aber nach Gegenständen gefragt wird, kann ich schon mal nichts Lebendiges mitnehmen. In dem Fall muss ich grübeln … definitiv mit muss: ein Behälter, damit ich nicht verdurste und notfalls den Tau sammeln kann, ein Messer, um Dinge zu zerschneiden und mich im schlimmsten Fall zu verteidigen, wenn ich kein Langwellen Funkgerät bekommen kann, dann nehme ich ein Sturmfeuerzeug, damit ich wenigstens Feuer habe und nicht nachts in der Kälte hocke. Und ja, ich habe zu viele Bear Grylls Abenteuer gesehen ;)

Liebe Ewa, ich danke dir für diesen lustigen und interessanten Plausch mit dir über dein Leben und deine Leidenschaft. Ich bin jetzt schon wahnsinnig gespannt auf deine nächste Veröffentlichung. Auf deiner Homepage Ewa Aukett – Lesen ist Liebe – Liebe ist Leidenschaft schaue ich immer wieder gerne vorbei, um zu schauen, ob du ein neues Buch veröffentlich hast.

Wenn auch du gerne mit mir eine Runde über dich als Schriftsteller, Künstler oder deinen Garten plauschen möchtest, fühl dich herzlich eingeladen. Schicke mir einfach eine E-Mail, damit wir uns austauschen können.

Bilder: © cane; Covergestaltung „Stunde der Drachen“ und „Atem auf deiner Haut“: Alexander Kopainski

Kommentare

7 Kommentare zu ‘Ausgetauscht mit Ewa Aukett – eine Autorin mit Herz und Leidenschaft

    • Ich habe Ewas Tagesablauf bildlich vorgestellt – ich konnte mir ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen :-) Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Die Damen quälen mich zwar nicht mit den höchsten Tönen, aber sie lassen nicht locker, bis das Frühstück für sie fertig ist.
      Hmm, habe ich Bear Grylls Abenteuer schon mal gesehen?

      • Eine Zeitlang kamen seine Expeditionen auf DMAX, dann hat er mit Promis Touren unternommen. Zur Zeit kommen glaub ich keine neuen Teile. Ist immer sehr abenteuerlich und verrückt, aber man kann auch lernen, falls es mal ums Überleben gehen sollte in der Wildnis.

  1. Liebe cane,

    wow, wirklich ein sehr interessantes Interview! Ich wäre wahrscheinlich super aufgeregt, wenn ich mit einer Autorin von diesem Kaliber sprechen würde :) Du hast dich aber gut geschlagen, sehr gut!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Karsten

  2. Nun ist es schon so lange still hier liebe Cane. Passt zwar jetzt nicht zu diesem Beitrag, aber ich muss – will – es ja los werden:
    Ich wünsche dir und deinen Lieben von Herzen ein friedliches Weihnachtsfest, gefüllt mit Lachen, Liebe und Dankbarkeit.
    Ich danke dir für deine Besuche und Kommentare bei mir dieses Jahr.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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