Bio-Gärtnern auf dem Fensterbrett

Ausgetauscht mit Birgit Lahner – eine Autorin mit grünem Daumen auf kleinstem Raum

Ein gemütlicher Plausch mit Birgit Lahner, die sich schon in jungen Jahren das Gärtnern und den Umgang mit Pflanzen zu eigen und schließlich ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Ich freue mich sehr, dass Birgit sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Gemüse und andere Pflanzen auf dem Fensterbrett anbauen und ernten zu wollen, ist auf den ersten Blick kein einfaches Unterfangen. Was hat dich inspiriert, auf kleinstem Raum mit Essbarem zu experimentieren?
Auslöser war der Umzug nach Wien während des Studiums an der Universität für Bodenkultur. In den ersten Semestern habe ich noch viel Zeit auf dem Land verbracht und dort auch relativ umfangreich Gemüse und Kräuter angebaut. Als ich dann begleitend zum Studium zu arbeiten begann, wurde die Zeit für länger Ausflüge auf den Hof meiner Eltern immer knapper. Gleichzeitig wollte ich aber unbedingt zumindest einen kleinen Teil meiner Nahrung selbst anbauen. In Ermangelung einer Terrasse oder eines eigenen Balkons, war der Fokus dann ganz schnell auf dem Fensterbrett.

Bio-Gärtnern auf dem FensterbrettWelche Gemüse und Kräuter gehören für dich unbedingt auf das Fensterbrett?
Steht ein sonniger Platz zur Verfügung, dann auf alle Fälle die klassischen mediterranen Kräuter wie Lavendel, Rosmarin oder Thymian – sie brauchen wenig Wasser, sind auch ansonsten recht pflegeleicht und bieten neben dem kulinarischen Nutzen auch eine schöne Optik und feine Aromen. Speziell fürs Fensterbrett eignen sich Zwergformen dieser Kräuter, die niedrig bleiben und besonders gut mit dem begrenzten Wurzelraum im Gefäß zurechtkommen – beim Lavendel zum Beispiel ‘Blue Cushion’ oder beim Thymian die Sorte ‘Compactus’.

Auch Blattgemüse gedeihen gut bei der Kultur am Fenster. Asia- und Pflücksalate beispielsweise oder auch Spinat, sind sehr einfach zu ziehen. Bei Anbau im zeitigen Frühling geben sie den Platz im Gefäß auch wieder rechtzeitig für wärmeliebenderes Fruchtgemüse wie Paradeiser oder Chili frei.

Ziehst du grundsätzlich dein Gemüse selber oder setzt du auf Jungpflanzen, die es beispielsweise auf Wochenmärkten zu kaufen gibt?
Ich ziehe meine Gemüsejungpflanzen selbst, habe aber für die Recherche zum Buch auch gekaufte Pflanzen ausgetestet. Besonders bei Kohlrabi und bei Kopfsalaten kann es durchaus Sinn machen, vorgezogene Pflanzen zu kaufen. Diese beiden Gemüsearten sollten nämlich nach erfolgter Keimung kühler gestellt werden, bevor sie groß genug für das Auspflanzen im Freien sind. Gerade in Stadtwohnungen bietet sich diese Möglichkeit häufig nicht. Eine gute Alternative zu Kopfsalaten sind Pflück- und Schnittsalate, die direkt draußen ins Gefäß auf dem Fensterbrett gesät werden. Ein großer Vorteil ist, dass von ihnen auch mehrmals geerntet werden kann.

Gibt es Gemüse, Kräuter oder Obst, das du unbedingt noch ausprobieren möchtest?
Es tauchen laufend neue Ideen auf! Vielversprechend klingen beispielsweise Knollenziest und Kaukasischer Kletterspinat. Letzterer bildet üppige grüne Ranken – das macht sich bestimmt gut am Fensterbrett. Vor allem bei den Paradeisern gibt es noch eine große Vielfalt an topftauglichen Sorten, die ich gerne ausprobieren möchte.

Würdest du sagen, dass sich der Anbau auf dem Fensterbrett positiv auf deine Lebensqualität ausgewirkt hat, und kannst du sogar die Veränderungen benennen?
Ganz eindeutig. Ich habe mich immer als klassischen Landmenschen gesehen und war zu Beginn nicht recht glücklich mit der Entscheidung auch nach dem Studium in Wien zu bleiben. Durch den eigenen kleinen Garten auf dem Fensterbrett hat das Stadtleben für mich aber schrittweise eine ganz andere Färbung angenommen, ist deutlich bunter und facettenreicher geworden. Mittlerweile steht auch ein kleiner Balkon zur Verfügung, der völlig neue Möglichkeiten eröffnet.

Der Buchtitel deines ersten Buchs „Bio-Gärtnern am Fensterbrett“ verrät schon, dass Bio eine deiner Lebensphilosophien ist. Aus welchem Grund ist Bio ein Thema für dich?
Mit diesem Thema könnte ich ganze Seiten füllen… Kurz gesagt, sehe ich im biologischen Landbau die Basis für eine Zukunft, in der es sich zu leben lohnt – im Hinblick auf ein intaktes Ökosystem ebenso wie auf eine gesicherte Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln. Das fängt für mich schon im Kleinen an, also bereits auf dem Fensterbrett.

In deinem Buch sind nicht nur die Pflanzen ein Thema, sondern auch kreative Projekte. Planst du ein weiteres Buch, in dem die Pflanzen in den Hintergrund rücken und die Kreativität die Hauptrolle spielt?
Konkret gibt es dazu keine Pläne. Ich habe aber erst vor kurzem darüber nachgedacht, zusätzlich zu meinen Kursen im Bereich Gärtnern am Fensterbrett einen Workshop mit Fokus auf kreative Pflanzenprojekte anzubieten. Dafür bin ich gerade am Ideensammeln und Probieren.

Pflanzen und kreative Projekte sind ein Teil deines Lebens. Womit beschäftigst du dich noch?
Ein Thema ist recht naheliegend: mit gutem Essen. Neben Literatur und Film sind aber auch Wandern und Tanzen sehr wichtig für mich.

Was würdest du einem Hobbyfenstergärtner bei seinen ersten Schritten mit auf den Weg geben? Von welchen Gemüsesorten würdest du unbedingt abraten, da ein Anbau auf dem Fensterbrett zum Scheitern verurteilt ist?
Grundsätzlich lohnt sich zu Beginn ein realistischer Blick auf die Rahmenbedingungen. Es macht nicht viel Sinn an einem dunklen Innenhoffenster lichtverwöhnte Kräuter oder Fruchtgemüse wie Paradeiser oder Auberginen zu pflanzen. Für solche Standorte gibt es bessere Alternativen. Der zweite wichtige Punkt betrifft die Gefäßgröße – manche Gemüsearten brauchen ein deutlich größeres Erdvolumen als das einer Fensterkiste: Kürbis, Zucchini oder Kraut werden am Fensterbrett kaum ihr volles Wachstumspotenzial ausschöpfen können. Probieren kann man aber alles! Ich finde Experimente sehr spannend, auch wenn sie nicht immer die erhofften Früchte bringen – Spaß macht es trotzdem und selbstgemache Erfahrungen sind besonders wertvoll.

Liebe Birgit, ich danke dir für diesen interessanten und äußerst inspirierenden Plausch über dich und dein Buch „Bio-Gärtnern am Fensterbrett“, in dem du dem Leser und Interessierten auf anschauliche Weise den Anbau von eigenem Gemüse, Salaten, Kräutern und Obst auf kleinstem Raum schmackhaft machst.

Wenn auch du gerne mit mir eine Runde über dich als Schriftsteller, Künstler oder deinen Garten plauschen möchtest, fühl dich herzlich eingeladen. Schicke mir einfach eine E-Mail, damit wir uns austauschen können.

Bilder: © cane

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